Da es mal wieder dringend erforderlich war, mein Gehirn zu defragmentieren, bin ich bei Tagesanbruch in ein Waldgebiet gefahren, das mir seit einiger Zeit besonders am Herzen liegt. Der Horizont leuchtete in hübschen Pastelltönen, auf der Wiese glitzerten die Tautropfen und überall duftete es nach blühenden Wildpflanzen. In der Nähe der großen Buche konnte ich die Silhouette eines vorbeilaufenden Fuchses erkennen und wurde kurz darauf von einem friedlich grasenden Reh begrüßt. So bin ich in aller Seelenruhe losgewandert, habe die frische Luft genossen und mich über meine eigene Gesellschaft gefreut.

Die Idylle war perfekt, bis aus der Ferne ein Schuss durch das Tal hallte. Wie immer blieb mir nur zu hoffen, dass der Waidmann sein Ziel vollständig verfehlt hat. Schließlich wollte ich mich ja erholen und mir nicht den Kopf über die Sinnhaftigkeit menschlichen Daseins zerbrechen.

Naja… zumindest so lange, bis wieder einer dieser dämlichen Luftballons vor mir lag. Kaum zwei Meter entfernt schon der Nächste. Ich habe sie natürlich aufgehoben und mitgenommen. Dann die leere Pistazientüte, die verbeulte Coladose und die aufgeweichte Zigarettenschachtel. Eigentlich hatte ich gar nicht vor, wieder Dinge zu sammeln, die im Wald nichts zu suchen haben. Aber da es mir auf eine merkwürdige Weise Spaß macht und ein bisschen gutes Karma bekanntlich noch nie geschadet hat, habe ich mich kurzerhand umentschieden.

TUE GUTES UND DIR WIRD GUTES WIDERFAHREN
Manch einer mag mich belächeln, aber spätestens jetzt glaube ich wirklich daran. Obwohl ich mich mit meinem knisternden Müllbeutel nicht gerade leise fortbewegen konnte und bestimmt 30 km gegen den Wind nach „Anti-Brumm“ gestunken habe, hatte ich das unfassbare Glück, eines meiner allerliebsten Lieblingstiere in freier Wildbahn anzutreffen. Da er sehr scheu und überwiegend nachtaktiv ist, war ich völlig aus dem Häuschen, als ein Dachs meinen Weg kreuzte. Und als wäre das nicht schon Segen genug, hatte ich sogar die Kamera griffbereit und konnte ein Beweisfoto machen.

Auf der Website des Deutschen Jagdverbandes findet man übrigens eine interessante Statistik, nach der im Jagdjahr 2016/2017 bundesweit
| 69.257 Stück | Dachse |
| 435.700 Stück | Füchse |
| 1.214.458 Stück | Rehwild |
getötet wurden. Viel Spaß beim Grübeln und bis zum nächsten Mal.
