Seit Kurzem bin ich aktives Mitglied im Hagener KITZRETTER e.V. und möchte meine ersten Eindrücke gerne mit Euch teilen. Die Rettung von Rehkitzen ist erwartungsgemäß eine unbeschreiblich tolle und herzerwärmende Sache. Was ich aber nicht erwartet habe und dadurch noch viel erwähnenswerter finde, ist die Tatsache, dass der Verein weit über den Satzungszweck hinaus auch auf zwischenmenschlicher Ebene viel Positives bewirken kann.

Als Vegetarier und Tierfreund bin ich den engagierten Jägern in und um unseren Verein schuldig, meine neue Sicht auf die Dinge zu schildern. In den vergangenen Tagen haben sich für mich sehr wertvolle Gespräche ergeben, die mir entgegen meiner bisherigen Meinung gezeigt haben, dass es durchaus Jäger gibt, die das Herz am rechten Fleck haben. Das trifft gewiss nicht auf alle zu, aber auf diejenigen, mit denen ich mich im Rahmen der Kitzrettung unterhalten habe und von denen ich noch viel über Wald und Flur lernen kann.
In meinen Augen hat das negative Image viel mit Selbstdarstellung zu tun. Offensichtlich bin auch ich in der Vergangenheit vornehmlich solchen Jägern begegnet, die fernab des Hochsitzes beweisen müssen, was sie für harte Knochen sind und allen Ernstes glauben, sie könnten einem mit ihrem widerwärtigen Auftreten imponieren.
ES GIBT „DIE JÄGER“
GENAUSO WENIG, WIE
„DIE TIERSCHÜTZER“.


Warum setzen sich ausgerechnet Waidleute als Lebensretter ein, wenn sie das Wild über kurz oder lang erlegen? Unser Team aus ehrenamtlichen Naturschützern, Landwirten und Jagdpächtern handelt gemeinsam im Sinne der guten Sache:
TIERLEID VERHINDERN.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass es ein Jäger war, der bereits vor vier Jahren die erste Drohne mit Wärmebildkamera aus privaten Mitteln angeschafft und damit schon unzählige Kitze vor dem Mähtod bewahrt hat. Die Wiesen müssen nicht mehr mühevoll und zeitaufwendig zu Fuß durchsucht werden und können im Idealfall unmittelbar nach unserer Rückmeldung von den Bauern gemäht werden. Da wir alle Hand in Hand arbeiten, wird das Risiko, dass Rehkitze dem Mähwerk zum Opfer fallen und das Futter durch Tierkadaver mit Botulinumtoxin kontaminiert wird, bestmöglich minimiert.
Anstelle von Grundsatzdiskussionen gibt es bei unseren Einsätzen einen persönlichen Austausch und die Gelegenheit, sich ein eigenes Bild zu machen. Für mich ist es absolut glaubwürdig und nachvollziehbar, dass ein Jäger bei der Kitzrettung mithilft, wenn er schon einmal ein vermähtes Jungtier mit abgetrennten Gliedmaßen erlösen musste. Es ist ein Unterschied, ob ein Tier unerwartet durch einen gezielten Schuss stirbt oder langsam und qualvoll durch schwerste Verletzungen verendet.
Wenn ich recht überlege, ist mir sogar jemand, der ein Tier selbst tötet und verzehrt viel lieber, als jemand der sich an einem billigen Schnitzel aus Massentierhaltung ergötzt. Bedauerlicherweise werden Letztere gesellschaftlich akzeptiert und als völlig normal angesehen.



Was mir immer mehr Sorgen bereitet, ist die plötzliche Naturverbundenheit der Pandemie-geplagten Bevölkerung. Viele Menschen meinen, sie müssten jetzt die Natur retten. Da werden Ästlinge und junge Feldhasen schnell zu Waisenkindern, weil unbedarfte Spaziergänger süße Tierbabys aufpäppeln wollen und fatalerweise in vollkommen natürliche Prozesse eingreifen. Es ist absolut richtig und wichtig, mit offenen Augen durch die Welt zu laufen, aber
FASST BITTE NIEMALS EIN WILDES TIER AN ODER FÜTTERT ES.
Wenn Ihr unsicher seid, ob es Hilfe braucht, kontaktiert den örtlichen Tierschutz und schildert die Lage. Abgesehen von übertragbaren Krankheiten bedeutet unsachgemäßes Handeln für manches Jungtier den sicheren Tod, wenn die Mutter es beispielsweise durch menschliche Witterung nicht mehr annimmt. Wer sich gerne engagieren möchte, sollte sich über seriöse Vereine in seiner Nähe informieren. Diese sind für jede Hilfe dankbar und können meist auf jahrelange Erfahrung zurückgreifen.


Wenn Ihr mehr über die Arbeit des Kitzretter e.V. aus Hagen wissen oder uns bei der Anschaffung weiterer Wärmebilddrohnen, als Pilot oder ehrenamtlicher Helfer unterstützen möchtet, wendet Euch bitte an:

