!!! Triggerwarnung !!!
Ich gehöre zu dem vermutlich überwiegenden Teil der Bevölkerung, der im Alltag eher selten mit dem Tod in Berührung kommt und die Gedanken daran lieber erstmal zur Seite schiebt. Das bewahrt mich nur leider nicht vor der Tatsache, dass es mich auch irgendwann erwischt.
Ich kann nicht beeinflussen, wann und unter welchen Umständen es geschieht. Ich kann aber jeden Tag aufs Neue beeinflussen, was ich zurücklassen würde, wenn ich im nächsten Augenblick sterbe.

Die Natur ist nichts für Weicheier und erinnert mich regelmäßig daran, dass mein Leben von einer Sekunde auf die andere vorbei sein kann. Dann fällt mir plötzlich wieder ein, dass meine guten Absichten überhaupt nichts bringen, so lange sie nur in meinem Kopf sind.
Warum mache ich das längst überfällige Treffen mit meinen Freunden von der Wettervorhersage abhängig? Warum hebe ich teure Pralinen für einen besonderen Anlass auf? Warum würden sich meine Prioritäten ändern, wenn ich wüsste, an welchem Tag ich sterbe?

THE TROUBLE IS, YOU THINK YOU HAVE TIME.
Jack Kornfield

Dem Tod kann man auf unterschiedlichste Weise begegnen. Selbst wenn er eine Erlösung von großem Leid ist und man sich auf das Unvermeidliche vorbereiten konnte, reißt er einem eiskalt das Herz aus der Brust. Er hinterlässt Leere, Trauer, Wut und das quälende Gefühl, dass man bestimmte Dinge nicht mehr sagen, fragen oder wiedergutmachen kann.
Zwar tröstet mich die Vorstellung, dass die Seelen der Verstorbenen nicht weg, sondern nur woanders sind, aber ob das nicht nur sentimentale Augenwischerei ist, werde ich wohl erst erfahren, wenn ich selbst tot bin.

Im Wald verliert der Tod für mich seinen Schrecken, weil ich seinen ökologischen Nutzen sehe. Von den sterblichen Überresten ernähren sich nicht nur Rabenvögel, Füchse und Dachse. Auch Eichhörnchen nagen an Knochen, Gehörnen und Geweihen, um ihre Zähne zu schärfen und wertvolle Mineralien aufzunehmen.

So ein angefressener Kadaver wirkt natürlich schauderhaft, aber:
LEUTE, MACHT DIE AUGEN AUF!

In jedem Supermarkt-Prospekt werden tote Tiere abgedruckt und in gläsernen Frischetheken hübsch übereinandergestapelt. Wenn man sie bis zur Unkenntlichkeit zerstückelt und neu beschriftet, ist das Problem gelöst. Man kauft ja schließlich ein Produkt und keine abgetrennten Körperteile eines Lebewesens, das bereits mit einer unendlich traurigen Bestimmung auf die Welt gekommen ist.
Ich bin kein weinerlicher Vegetarier, der andere bekehren möchte. Es muss jeder für sich selbst entscheiden, wie viel Realität er ertragen kann.

Nachdem ich mich nun eine gefühlte Ewigkeit gefragt habe, ob das Leben einen Sinn hat und statt Antworten nur noch mehr Fragen gefunden habe, will ich mich bald wieder harmloseren Themen widmen. Es ist ja nicht zielführend, nur noch Müll zu sehen, über die eigene Vergänglichkeit nachzudenken und dabei alles andere aus den Augen zu verlieren.
Ich freue mich schon riesig auf den Frühling und meine neuen Fotoprojekte. Da will ich mich ausgiebig mit der Vogel- und Pflanzenwelt beschäftigen. Wäre wirklich ärgerlich, wenn ich morgen früh nicht mehr aufwache.
