Kraus die Haare, kraus der Sinn, da steckt der Teufel drin. Womit man mich als Kind noch prima ärgern konnte, trägt heute zu meiner persönlichen Erheiterung und anderer Leute Kopfschütteln bei. Als Sonderling muss man sich ständig Witzeleien über seine Eigenarten gefallen lassen, aber mit der beruhigenden Gewissheit, dass alle ihr blaues Wunder erleben würden, wenn ich plötzlich nicht mehr so wäre, kann ich gelassen darüber hinweghören.
Ich bin pedantisch, übertrieben fürsorglich und strebe nach Idealen, die längst aus der Mode gekommen sind. Ich bin gerne allein, kann stundenlang schweigen und spüre eine tiefere Verbundenheit zu Zimmerpflanzen als zu den meisten Gestalten da draußen.
Daher wird es niemanden wundern, dass meine treibende Kraft auch etwas schräg ist: Ich glaube an das Schlechte im Menschen und versuche gerade deswegen, das genaue Gegenteil zu sein.

Ein Erklärungsversuch. Ich gehe als ungeselliger Griesgram in den Wald hinein und komme als grinsendes Honigkuchenpferd wieder heraus. Naja, so einfach ist es nun auch wieder nicht. Ich bin natürlich derselbe ungesellige Griesgram wie zuvor, nur mit matschigen Schuhen und dem guten Gefühl, dass mir nichts auf dieser Welt mehr etwas anhaben kann.
Ähnlich wie die Feldmaus Frederick im gleichnamigen Bilderbuch Sonnenstrahlen, Farben und Wörter für die kalte, graue Jahreszeit sammelt, sammle ich erholsame Sinneseindrücke für den hektischen, lauten Alltag. Heute bin ich sieben Stunden von der Bildfläche verschwunden und habe während der gesamten Zeit nicht eine Menschenseele gesehen.
Danke, lieber Wald.
Da ich der Meinung bin, dass Geben und Nehmen eine prima Sache ist, habe ich mich natürlich auf meine Weise erkenntlich gezeigt. Heute habe ich meine Fundstücke allerdings mal nicht in verharmlosenden Säcken versteckt, sondern zu Demonstrationszwecken auf einen Haufen geschüttet:




Bei der vorsintflutlichen Mistgabel und dem gut erhaltenen Topfset musste ich ja noch schmunzeln. Wenig später bin ich allerdings auf einen gigantischen Scherbenhaufen gestoßen, der anhand mancher Bestandteile vermuten ließ, dass er nicht erst seit gestern dort lag.




Schon erstaunlich, dass ich scheinbar immer die Erste bin, die sowas findet. Aber wie dem auch sei: Hübsch verpackt wartet der Haufen jetzt am Wegesrand auf jemanden, der sich dafür zuständig fühlt.




NACHTRAG
vom 30. Januar 2022
Experiment gescheitert. Nach drei Monaten hat es der Haufen gerade mal auf die andere Seite des Weges geschafft und war dabei, sich wieder in seine Einzelteile zu zerlegen.

Mein Leben wäre deutlich bequemer und unbeschwerter, wenn ich den Problemen anderer keine Beachtung mehr schenken würde. Es ist nicht mein Wald und erst recht nicht mein Müll. Ich könnte das unansehnliche Durcheinander doch einfach links liegen lassen und gleichgültig daran vorbeilaufen.

Ich könnte aber auch versuchen, unschuldige Tiere vor schlimmen Verletzungen zu bewahren, meinen Unmut in nützliche Energie umwandeln und das tun, was ich für richtig halte.

Schlussendlich habe ich den gesamten Mist in neue Säcke gestopft und auf Nimmerwiedersehen entsorgt. Lieber bin ich der Depp, der sich einmal zu viel kümmert und falle mal wieder aus dem Rahmen. Das hätte meinem sechsjährigen Ich wirklich sehr gefallen.

